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"Lass einfach los!", sagen sie. "Es befreit!" "Loslassen" klingt immer so wunderbar spirituell. Die Leute sagen das so entspannt, als wäre es eine Yoga-Übung: "Du musst einfach nur loslassen." Aber mal ehrlich: Loslassen ist eigentlich nur der höfliche Ausdruck für "kontrolliertes Hinfallen". Es fängt schon beim Kleiderschrank an. Haben Sie schon mal versucht, eine Lieblingsjeans loszulassen, die seit 2012 nicht mehr zugegangen ist? Das ist kein Akt der Befreiung, das ist ein Abschied auf Raten! Ich hänge an dieser Jeans. Nicht, weil sie passt, sondern weil sie Erinnerungen trägt. Die Erinnerung an durchtanzte Nächte, Reisen und wilde Festivals. Kann man doch nicht wegwerfen, sowas! Und zack, zurück in den Schrank damit.
Loslassen: das Modewort der modernen Achtsamkeitsindustrie. Der wahre Endgegner beim Loslassen sind jedoch die Tupperware-Dosen. Warum habe ich 50 Unterteile, aber nur drei Deckel? Ich halte sie fest. Aus Prinzip. Vielleicht passiert ja ein Wunder und die Deckel vermehren sich im Dunkeln. Das ist kein Müll, das ist Potenzial. |
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Lesen und Genießen: Sieben Bücher erzählen Geschichten vom Essen |
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 | Foto: Wagenbach | Hanser | Edition Moderne | Suhrkamp | Diogenes | Dumont | Westend61 | Collage: Inès Schumann |
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Viel Potenzial haben auf jeden Fall auch unsere Buchempfehlungen rund um das Thema Essen. Sieben Bücher, die uns einen völlig neuen Blick auf den Umgang mit Lebensmitteln, Genuss und die Bedeutung von Essen geben. Lassen Sie sich zum Beispiel die Weltgeschichte anhand von zwölf Bohnen nahebringen. Ein kleines, aber feines Sachbuch, das uns erklärt, wie globalisiert die Welt schon im 13. Jahrhundert war und wie sie uns nicht nur ernährt hat, sondern auch das Fundament für das heutige Europa gelegt hat. Interessiert Sie nicht die Bohne? Na, dann vielleicht das Buch über "Gelato – italienische Eiszeiten." Eis ist unverzichtbar im Sommer, soviel ist sicher. Aber dann noch fundamentales Wissen über Eissorten, Eismuseen und Eisherstellung. Toll! Oder erfahren Sie im fiktionalen Roman "Halbe Portion", wie sehr der Umgang mit Lebensmitteln durch die soziale Prägung bestimmt wird. Wenn Sie mehr wissen möchten, schauen Sie auf die sieben Empfehlungen meiner Bremen-Zwei-Kolleginnen. |
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Bremen-Zwei-Radiosession mit Dressed Like Boys |
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Vielleicht schaffen wir gemeinsam eine Erinnerung, die man nicht mehr verlieren kann und die man nicht mehr loslassen muss, weil es so toll und so besonders war: ein Konzert in Wohnzimmeratmosphäre. Handverlesenes Publikum und ein bekannter Musiker auf Armeslänge entfernt. Diese Atmosphäre gibt es nur in der Bremen-Zwei-Radiosession – im Funkhaus von Radio Bremen. Diesmal mit dem belgischen Projekt Dressed Like Boys. Das ist das Solo-Musikprojekt von Jelle Denturck, einem Singer-Songwriter aus Gent in Belgien. Als schwuler Mann reflektiert Jelle Themen wie Sexualität und Identität. Aber den Sound sucht und findet er in den 1960er und 70er Jahren. Heraus kommt: eine einzigartige Klangwelt. Irgendwie nostalgisch, aber doch auch modern und anders. Dressed Like Boys sehen und hören Sie am 21. Mai ab 20 Uhr in der Radiosession live auf Bremen Zwei. Karten können Sie über eine Gewinn-Aktion im laufenden Radioprogramm gewinnen. |
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Reine Männersache: Hamlet im Theater Bremen |
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 | Foto: Theater Bremen | Jörg Landsberg |
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Hamlet, das große Shakespearedrama, steht auf dem Spielplan am Theater Bremen. Der junge Prinz von Dänemark möchte nach seinem Studium ins Leben aufbrechen. Der Geist des toten Vaters fordert von Hamlet Rache. Aber die wirre Vendetta des überforderten Sohnes endet nicht nur für ihn selbst tödlich, sondern er reißt alle anderen mit ins Verderben. Dieses Drama um den dänischen Königssohn gehört wohl zu den bekanntesten Dramen überhaupt. Hamlet ist zum Prototyp des Zauderers geworden. Der auf Rache sinnende Prinz Hamlet kämpft mit inneren Konflikten und seinem Männlichkeitsbild. Das Theater Bremen inszeniert das berühmte Rachedrama deshalb ausschließlich in männlicher Besetzung. In der Inszenierung von Alize Zandwijk spielen nur Männer, auch die Frauenrollen. Das Konzept dahinter: Es ist was faul, nicht nur im Staate Dänemark, sondern in der gesamten Männerwelt. Es soll die "Krise der Männlichkeit" sichtbar machen und genau das macht diese Inszenierung so besonders und spannend. Das uralte Rachedrama Hamlet – jetzt im Theater Bremen.
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Wer etwas ändern möchte, wer Altlasten entsorgen will, der weiß, es geht nicht nur um das Materielle. Es geht auch um emotionale Altlasten. Es ist doch viel einfacher, eine alte Jeans in den Altkleidercontainer zu werfen als eine "Freundschafts-Leiche" im Keller endlich fachgerecht zu entsorgen. Das Problem ist: Wir verwechseln Loslassen oft mit Verlieren. Dabei ist Loslassen eigentlich nur das Aussortieren von Dingen, die uns nicht mehr passen – wie die Jeans aus der Abizeit, in die man nur noch reinpasst, wenn man drei Wochen lang ausschließlich Eiswürfel atmet. Man sagt ja: Wenn man loslässt, hat man beide Hände frei. Das stimmt. Meistens hat man sie frei, um sich fassungslos an den Kopf zu fassen, warum man den Quatsch überhaupt so lange mitgeschleppt hat. Also, ich wünsche Ihnen diesen magischen Moment, in dem man sich federleicht fühlt, weil man endlich losgelassen hat! Ich werde jetzt übrigens meine alte Jeans wegwerfen. Vielleicht. Wenn ich sie finde.
In diesem Sinne: Festhalten ist auch keine Lösung.
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 | |  | Hilke Theessen Bremen-Zwei-Autorin | | kann Hochdeutsch und Platt. Sie kennt ihr Revier – den Nordwesten – und die Menschen dort wie ihre Westentasche. Wenn sie nicht gerade ostfriesische Neujahrswaffeln backt, hört man sie im Radio oder trifft sie im Theater und auf Konzerten. |
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 | Konzert: Tori Amos17. Mai um 20 Uhr im Metropol-Theater, Bremen |  | Lesung: Alice Hasters20. Mai um 19:30 Uhr im Kulturzentrum Lagerhaus, Bremen |  | Italienische Kulturtage 2026Vom 28. Mai bis 7. Juni an verschiedenen Spielorten in Bremen |
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